UI-Mundart – Weinviertler Dialekt – eine alte österreichische Mundart


„Muida, gib da Kui a Fuida“ – ein bekannter Spruch im Weinviertel, der die alte Weinviertler Mundart, die sogenannte UI-Mundart, kurz und prägnant beschreibt. Doch typisch für die weinviertler UI-Mundart ist nicht nur die Ersetzung von gemeinbairischem „ua“ durch „ui“, sondern auch noch eine Ersetzung von „ia“ durch „oi“ (z. B. zoign – ziagn – ziehen, goißn – giaßn – gießen, schoißn – schiaßn – schießen (Weinviertler Mundart, „Gemeinmittelbairisch“, Hochdeutsch)).

Wie ich mit einem Oberpfälzer zusammengekommen bin hat sich herausgestellt, daß die oben angeführten oi-Formen auch in bestimmten Regionen in der bayrisch-nordgauischen Oberpfalz üblich sein dürften. Dies wäre ev. ein Indiz für eine Besiedlung des Weinviertels aus diesem geographischen Raum. Dort kennt man auch das im Weinviertel gebräuchliche Wort „Floign“ für Fliege, das man allerdings auch im Pongau um Bischofshofen kennen dürfte.

Aber auch bairische Kennwörter ostgermanischen Ursprungs wie „urassn“ oder „ees“ für „Ihr“ haben sich im Weinviertel noch erhalten.

Des weiteren gibt es noch einige weinviertler Spezialwörter, wie die „Razn“, die ich sonst noch nirgends feststellen konnte, aber offensichtlich im südwestlichen Weinviertel auch nicht mehr als Wort geläufig ist (wird im Mostviertel als „Rommel“ oder hochdeutsch als „Milchbart“ bezeichnet – einfach eine Verschmutzung um den Mund durch Nahrungsmittel).

Hier finden Sie einen guten kurzen Überblick zur Weinviertler UI-Mundart:

http://hoerersdorf.jimdo.com/ui-mundart/

 

Das Problem beim Lesen der Dialektwörter besteht darin, daß wenn man nicht weiß, wie man das Wort korrekt ausspricht, die Wahrscheinlichkeit sehr sehr hoch ist, daß man das Wort falsch aussprechen und betonen wird.

 

Hochgradig empfehlenswert ist auch das veröffentlichte und käuflich erhältliche Schriftwerk von Michael Staribacher: das Weinviertler Dialektlexikon, Band 1 und Band 2:

Weinv_Dialektlexikon_Band_1

Und hier Band 2:

http://staribacher.dieweinviertler.com/weinviertler-dialektlexikon

 

Hier eine weitere Auflistung weinviertler Dialektwörter.

http://www.alberndorf-pulkautal.at/lexikon.htm

 

Noch ein Beitrag:

https://vadursten.wordpress.com/kellergassenfuhrung/weinviertler-mundart/

 

Und weil’s so schwer auszusprechen ist, hier auch eine Hörprobe:

Minute 24:55 – 27:50:

Der Herr trägt ein Gedicht vor – Sprechprobe aus Braunsdorf bei Hollabrunn:

URL: https://www.youtube.com/watch?v=TNRu0oNEW0U

Der Beitrag zuvor aus Langenlois (22:40 – 24:45) ist bis auf die mangelnden UI-Komponente dem Weinviertler Dialekt übrigens auch extrem ähnlich bis gleich. Auch hier kann man sich ein Bild über die Aussprache der weinviertler Mundart machen. Ofa = Ofen, Sautronk = Schweinefutter aus Küchenabfällen, Gstettn = bewachsener Hang z. B. zwischen zwei Äckern oder Weingärten, gwest = gewesen, Hau = Haue (ein Werkzeug), fiate = fertig, schlicka = schlucken, Mau = Mann, schwoam = schwemmen, „gaunz wos sötsoms“ (seltsames) = etwas seltenes, zaudia = „zaundürr“ (so dünn wie ein Zaun – extrem dürrer Mensch) – alles ident mit der weinviertler Aussprache. Unterschiede fallen mir auf bei Wörtern wie (die) „Rei“ statt (des) „Rein(d)l“ (Reindl ist ein Wort für „Pfanne“) sowie die Aussprache des hochdeutschen Zwielauts „au“ – der wird im Weinviertel eher wienerisch ausgesprochen als ein Vokal (siehe als Beispiel die Aussprache von „bergauf“ in Minute 25:19). Ansonsten ist die Aussprache im Langenloiser Beitrag wie im Weinviertel (Langenlois ist auch gleich an der Grenze zum Weinviertel).

 

Verbreitung der ui-Mundarten in Ostösterreich:

Landkarte_ui-Mundarten_Ostösterreich

Quelle: http://www.mundart-burgenland.at/region-burgenland.html

 

<<Am Ostrand des Mittelbairischen, im Weinviertel und im Burgenland findet man die „ui-Mundart“. Hier entspricht ein ui (Bruida, guit) dem im Mittelbairischen und Südbairischen allgemein verbreiteten ua (Bruada, guat). Insbesondere im niederösterreichischen Weinviertel sind diese Varianten allerdings auf dem Rückzug. Dieses Phänomen geht auf eine alte donaubairische Form zurück, die teilweise noch viel weiter westlich beheimatet ist. So erscheint ia in konservativen Mundarten Altbayerns und Westösterreichs nördlich und südlich der Donau oft als oi z. B. als „Floing“ statt „Fliang“ (Fliege), vergl. auch nordbair. „Fläing“. In donaubairischen (v. a. ostösterreichischen) Mundarten wird o häufig als u aufgelöst (furt statt „fort“). In den ostösterreichischen Mundarten (Weinviertel, Marchfeld, Nordburgenland) haben sich auch einige fränkische Sprachelemente erhalten (z. B. „nodich“ = arm, „hailich“ = heilig).>>

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bairische_Dialekte#Mittelbairisch

 

<<Eine Besonderheit in Niederösterreich war (und ist in gewissen Gegenden auch noch) die „ui“ Mundart. Die „ui-Mundart“ (Muida = Mutter) ist die ursprüngliche Mundart des nördlichen Niederösterreichs und wurde sogar einge Zeit auch in Wien bei Hof gesprochen. Man fand sie in ganz Südmähren und in Gegenden von Süd- und Südostböhmen. Man spricht sie heute noch in Teilen des Weinviertels und kleinen Teilen des Waldviertels. In diesen Gebieten gibt es zur „ui“-Mundart auch eine „oi“-Mundart.
Wörter mit den mundartlichen „ia“- Silben werden zu „oi“- Wörtern: Fliagn, biagn, kriagn, schiassn – floign, boign, kroign, schoissn. Diese frühere „ui-Mundart“ ist sonst weitgehend in Niederösterreich verschwunden und wurde durch die „vornehmere“ „ua-Mundart“ (Muada) verdrängt.>>
http://www.noe-mundart.at/pdf/leseprobe_2.pdf

 

Die UI-Mundart in ans Weinviertel angrenzenden Regionen:

Südmähren: Die Mundart dort (der deutschen nach dem 2. Weltkrieg von den Tschechen vertriebenen Südmährer) war unserer Weinviertler lt. meiner Großmutter relativ gleich.

http://www.suedmaehren.at/c_volksk_mundart.htm

UI-Mundart im Burgenland „Hianzisch“: Diese Mundart hat zur Weinviertler einige Ähnlichkeiten, ist aber von der Aussprache her teilweise schon weiter entfernt. (Das Burgenländische hat halt teilweise schon einen anderen bzw. steirischen Einschlag.)

Siehe zum burgenländischen Dialekt einen Tonausschnitt aus Donnerskirchen im obigen Video um die Minute 33:10.

http://www.mundart-burgenland.at/region-burgenland.html

 

<<Ein primäres Merkmal des Hianzischen (teilweise auch in Nordostniederösterreich, in der Oststeiermark und im tirolerischen Pustertal) ist die häufige Verwendung des ui-Lautes, der sich aus einer unterschiedlichen sprachlichen Entwicklung herleitet:

* Das mittelhochdeutsche -uo- wird zu -ui-, z.B. muoder – Muida (Mutter) oder bluot – Bluid (Blut). * Mittelhochdeutsches -ur- wird zu -ui- wie in Tuin (Turm) oder Wuin (Wurm).

* Mittelhochdeutsches -iu- wird zu -ui- wie in schuissn (schießen), sūin (sieden) oder Stuifmiazal (Stiefmütterchen).

Diese ui-Form hat sich in der Steiermark erhalten und wurde auch von Peter Rosegger gepflegt.

Heute muss der Ui-Dialekt, der zur Zeit Maria Theresias nachweislich auch in Wien verbreitet war, ein sprachliches Rückzugsgefecht führen: statt Khūi (Kuh) hört man immer stärker von Wien/Umgebung über das Nordburgenland in den Süden vordringend Khūa, die Fluign (Fliege) muss der Fliagn weichen und statt suicha muss man jetzt etwas suachn.>>

Quelle: http://austria-forum.org/af/Heimatlexikon/Hianzische_Mundart/Mundart_im_Burgenland

 

UI-Mundart in Südtiroler Pustertal:

<<Die östliche Gruppe ist am deutlichsten vom übrigen Südtirol abgegrenzt und umfasst das Pustertal mit seinen Seitentälern. Dort ist das mittelhochdeutsche uo (z. B. muoter, also Mutter) zu ui (Muito) geworden, in anderen Teilen Südtirols zu ue oder ua (Muetr, Muatr).>>

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Dialekte_in_Tirol

Unter Achtung der Umstände möchte ich zitieren:
„Liobo Flö,
i wünsch dir, dassis dir do wo du itz bisch guit geht, und du dein inneren Friedn finnsch… Gonz viel Kroft wünsch i in deina zwoa Buibm, deindo Frau, deina Gschristrat und vor ollem deindo Mama.
RUHE IN FRIEDEN“

-> man erkennt: auch in diesem Dialekt wird „Buben“ mit „Buibm“ und „gut“ mit „guit“ ersetzt – also auch gemeinbairisches „ua“ durch „ui“.

Pustertal_ Vermisster Mann tot aufgefunden_ SüdtirolNews

http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2014/08/25/pustertal-vermisster-mann-im-tot-aufgefunden.html#.VC8Bb1PLc4l

Im Artikel „Eishockey Forum – TV-Übertragung vom Spiel HCP gegen Fassa“:

„guit dasman dir la pa facebook scheibm brauch“

Südtirol_guit__TV-Übertragung vom Spiel HCP gegen Fassa

Quelle: http://www.sonice.it/forum/thread-12632-tv-uebertragung-vom-spiel-hcp-gegen-fassa-1.html

<<Auch die so eindrucksvollen ui des Pustertales in Muitǫ ‘Mutter’, Kχui ‘Kuh’ sind erst im Spätmittelalter entstanden. Vorher wurde allgemein mittelgaumiges üe gesprochen, so wie es heute noch im Iselgebiet der Fall ist: Müeta, Kχüe. Beide Lautungen geben Anlass zu Spottsprüchen auf die Pusterer: Won de Gāß pan Schwāf wāch ischt, noar isch se fāßt (Wenn die Geiß beim Schweif weich ist, ist sie ‘feist’ (fett)) und Do Puschtara Pui hǫt Muise in Maule (der Pusterer Bub hat Mus im Mund).>>

Quelle: http://wwwg.uni-klu.ac.at/spw/oenf/Sprachinseln.htm

 

 

Und zum Abschluß noch ein paar Weinviertler Beispiele:

http://www.menschenschreibengeschichte.at/index.php?pid=30&kid=1181&ihidg=10665

http://www.verlagshaus-hernals.at/books/mondloescher

 

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